UNSERE FILMPREISE

Der weltweit älteste Filmpreis für Fahrrad-Filme: Die Goldene Kurbel

Am Abend des 2. September 2006 haben die Gründer des Internationalen Festivals des Fahrrad-Films ein kleines Stück Fahrrad-Kulturgeschichte geschrieben: Mit der „Goldenen Kurbel“ wurde der weltweit erste Filmpreis für Fahrradfilme vergeben. Der Gewinner war der österreichisch-deutsche Kurzfilm „doored in downtown“, ein Film über das für Radfahrer:innen gefährliche Phänomen sich plötzlich öffnender Autotüren: „He crashed into/The door and flew/While clinging to his handlebars in panic“ sangen Sylvia Winkler und Stephan Köperl vom Fahrrad in die Kamera zum Vergnügen der rund 50 Zuschauer_innen. Diese sahen an diesem Abend noch 12 weitere Fahrradfilme aus verschiedenen Ländern.

Heute gilt die Goldene Kurbel als der Oscar des Fahrradfilms, der jedes Jahr an den besten Film des Festivals vergeben wird. Der begehrte goldenen Kurbelarm, der alljährlich auf einem hölzernen Sockel montioert wird, symbolisiert gleichermaßen Film und Fahrrad. Preisträger des 16. Festivals ist der Experimentalfilm „Welcome ton Polotubbieland“, gedreht von der polnisch-deutschen Filmemacherin Nena Adelajda Olczak. In ihrem Film geht es zunächst sportlich zu: Im Polotubbieland schlagen die Bewohnerinnen gekonnt das Rad. Im Kontrast zur heilen Fitnesswelt auf der Bildebene offenbart der Film auf der Tonspur die Abgründe der gegenwärtigen polnischen Kulturpolitik, ihren radikalen Bruch mit der Kunst- und Meinungsfreiheit im Namen des Nationalstaats. Für das Andere, das Fremde lässt der Populismus keinen Platz. „Dirty migrants go home“ singen rechtsgedrehte Polotubbie-Künstlerinnengestalten im bitteren Ende dieses aufrührenden Experimentalfilms – ein klares Statement gegen Populismus und politischen Nationalismus.

Eine Übersicht über alle Preisträger_innen des Festivals findet sich hinter diesem Link.

An dieser Stelle eine kleine Galerie ausgewählter Preisträger_innen:

Souvenir Albert Richter

Im Jahr 2018 wurde erstmals der Preis Souvenir Abert Richter für den besten Radsportfilm vergeben. Dieser von der Jury des Festivals vergebene Preis ist dem deutschen Bahnfahrer Alber Richter gewidmet. Albert Richter, der in den 1930er Jahren zur Weltelite des Bahnsprints zählte, wurde 1940 mutmaßlich von der Gestapo ermordet. Das Souvenir Alber Richter erinnert an den Radsportler, an den Gegner und das Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft.

Trzy złote szprychy

Die Trzy złote szprychy – die Drei Goldenen Speichen – sind der Preis des Publikums der polnischen Ausgaben des ICFF. Sie wurden im Jahr 2013 in Częstochowa eingeführt, erster Preisträger war der polnische Filmemacheer Konrad Lewandowski für seinen Film Michał Kluska. Die Drei Goldenen Speichen des 10. ICFF 2015 ging an den kältesten Film der Festivalgeschichte (Minus 30 Grad Celsius): Das Krakauer Publikum kürte die Filmemacher Paweł Wichrowski und Jabuk Ribicky für ihre Dokumentation Baikal Ice Trip.

Publikumspreise des ICFF

Neben den Drei Goldenen Speichen wird auch in Herne der Preis für den besten Fahrradfilm aus der Sicht des Publikums vergeben. Auf dem 10. ICFF in Herne fiel das Votum auf den niederländischen Film „Groen“ von Lucas Camps.